Ungarn taucht in fast jedem Gespräch über Rothirsch-Trophäen auf. Das ist kein Zufall. Das Land liefert seit Jahrzehnten die schwersten Geweihe Europas, mit reifen Hirschen, die regelmäßig 10 bis 12 Kilo auf die Waage bringen, und Ausnahmeexemplaren, die deutlich darüber liegen. Wer die CIC-Rekordlisten durchblättert, stößt auffällig oft auf Ungarn, besonders rund um Reviere wie Gyulaj und die Region Baranya im Südwesten.
Warum der ungarische Rothirsch so schwer ist
Fruchtbarer Boden, große zusammenhängende Eichenwälder und jahrzehntelanges, auf Trophäenqualität ausgerichtetes Wildmanagement haben zu einer Rotwildpopulation geführt, deren Geweihentwicklung europaweit zur Spitze zählt. Reviere wie Gyulaj bewirtschaften ihre Bestände seit Generationen mit dem Ziel Trophäenqualität, nicht nur Stückzahl. Genau deshalb landen Jäger, die einmal im Leben eine außergewöhnliche Brunftjagd erleben wollen, so oft in Ungarn.
Drückjagden auf Schwarzwild
Neben Rotwild ist Ungarn auch für Drückjagden auf Schwarzwild eine feste Größe. Die großen, zusammenhängenden Waldgebiete des Landes eignen sich hervorragend für klassische Drückjagden mit Hunden und mehreren Schützen, meist im Herbst und Winter. Der Schwarzwildbestand ist stark, die Wildschweine können beeindruckende Waffen tragen, und viele Anbieter kombinieren eine Drückjagd mit ein paar Tagen Pirsch auf Reh oder Fuchs. Das ist ein anderer Rhythmus als die einsame Pirsch auf den Hirsch, und genau diese Abwechslung macht Ungarn für eine Gruppenreise attraktiv.
Reh und Mufflon
Die ungarische Puszta, das weite Tiefland im Osten und in der Landesmitte, ist ausgezeichnetes Rehwildrevier. Die Böcke tragen kräftige Gehörne, und das offene Gelände macht Pirsch und Ansitz auch für weniger geübte Jäger vergleichsweise zugänglich. In den Hügeln und Bergen, etwa im Bakonygebirge, findet man zudem freilebende Mufflonpopulationen, deren Widder gelegentlich Hörner von deutlich über 80 Zentimetern tragen. Kaum ein anderes europäisches Land bietet Rotwild, Schwarzwild, Rehwild und Mufflon in einer Entfernung von wenigen Autostunden zueinander.
Die Sprachbarriere bei der ungarischen Jägerprüfung
Hier liegt etwas, worüber kaum eine Seite offen spricht. Wer in Ungarn eigenständig jagen will, benötigt grundsätzlich einen ungarischen Jagdschein, und die ungarische Jägerprüfung wird ausschließlich auf Ungarisch abgenommen. Für einen ausländischen Jäger ohne Ungarischkenntnisse ist das in der Praxis kein gangbarer Weg. Wir haben an anderer Stelle bereits beschrieben, was eine Jägerprüfung in verschiedenen europäischen Ländern kostet und voraussetzt, und Ungarn sticht dabei durch diese Sprachbarriere deutlich heraus.
Der Weg, den fast alle wählen, ist deshalb nicht die lokale Prüfung, sondern die Jagd über einen lizenzierten ungarischen Jagdveranstalter oder Berufsjäger. Man weist den eigenen, ausländischen Jagdschein vor, beantragt eine befristete ungarische Erlaubnis und jagt unter Begleitung. Der Veranstalter kümmert sich um Genehmigungen, Versicherung und oft auch um den Waffentransport oder die Leihwaffe vor Ort. Für die meisten Gastjäger ist das kein Kompromiss, sondern schlicht die übliche Struktur des organisierten Jagdtourismus in Ungarn, ähnlich wie in den meisten anderen europäischen Zielländern.
Was vorab zu klären ist
Rechnen Sie damit, dass eine ungarische Jagderlaubnis für Ausländer einige Wochen Vorlauf braucht, inklusive gültigem Jagdschein aus dem Heimatland und Waffen- beziehungsweise Unfallversicherung. Die Anreise mit eigener Waffe innerhalb der EU funktioniert mit dem Europäischen Feuerwaffenpass; von außerhalb der EU ist eine Einfuhrgenehmigung nötig, bei der die meisten Veranstalter standardmäßig unterstützen. Preise und genaue Abläufe unterscheiden sich stark je nach Anbieter und Saison, deshalb sollte man das immer direkt beim jeweiligen Veranstalter klären.
Eine Jagdreise nach Ungarn buchen
Auf dem Hunting-Trips-Marktplatz von Hunters Club finden sich auch organisierte Jagdreisen nach Zielen wie Ungarn, angeboten von Veranstaltern, die die lokalen Regeln und die Führungspflicht bereits geklärt haben. Ein guter Ausgangspunkt, wenn man lieber gleich die richtigen Fragen stellt, statt selbst herauszufinden, ob man überhaupt eine Prüfung ablegen müsste.
Foto: Gyulaj Tamas, via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)



